Neuerscheinung

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das-vergessene-maedchenAuf einer Klassenfahrt verschwindet die junge Lea spurlos. Erst kürzlich wurde ein Mädchen entführt und umgebracht, der Täter ist noch immer auf freiem Fuß. Steckt hinter Leas Verschwinden der ältere Mann, mit dem sie eine Affäre hatte? Was ist mit dem unglücklich verliebten Mitschüler, der wie vom Erdboden verschluckt ist? Dann überschlagen sich die Ereignisse: Ein Mitarbeiter von Kripochef Gerlach wird angeschossen. Der verliebte Mitschüler liegt bewusstlos auf der Intensivstation. Und von Lea keine Spur …

 

 

Buchinformationen

  • April 2013
  • Piper Verlag, München
  • 320 Seiten / Taschenbuch
  • 12,99 Euro
  • ISBN 9783492272599


Was die Presse sagt

Krimi-Couch.de

Wolfgang Burger besticht mit einem dichten, starken Plot, erzählt schnörkellos seine überzeugende Geschichte und findet genau die richtige Balance zwischen eigentlicher Krimi-Handlung und Privatleben seines Ermittlers. Sehr gut!

 

Leseprobe (Romananfang)

 Anfangs dachten wir alle, Lea sei einfach nur vergessen worden. Sie war neu in der Schule, wohnte erst seit wenigen Monaten in Heidelberg und – all das erfuhr ich natürlich erst später und in kleinen Häppchen – hatte sich noch nicht wirklich eingelebt in ihrer neuen Heimat.

Die beiden zehnten Klassen des Helmholtz-Gymnasiums hatten einen Bildungsausflug nach Straßburg gemacht, um dort das Europaparlament zu besuchen und anschließend eine Führung durch das berühmte gotische Münster über sich ergehen zu lassen. Im Parlament hatten die mäßig beglückten Jugendlichen die Ehre gehabt, einer Diskussion über die EU-weite Normung von Rostschutzlacken beizuwohnen. Das Münster fanden manche ziemlich cool, andere irgendwie groß, die meisten jedoch einfach nur kolossal alt und ätzend langweilig. Im Lauf des Tages war die Veranstaltung mehr und mehr aus dem Ruder gelaufen. Eine Gruppe von Mädchen hatte sich schon kurz nach Mittag verflüchtigt, um anstelle alter Kirchen lieber moderne Boutiquen zu besichtigen. Andere gingen einzeln ihren Interessen nach. Der verbleibende Rest wurde von den begleitenden Lehrkräften noch durch das pittoreske Viertel Petit France gescheucht, und am Ende waren auch die beiden Lehrer erleichtert, als sie ihren gähnenden und nörgelnden Schützlingen drei Stunden frei geben konnten, um auf eigene Faust die Straßburger Weihnachtsmärkte zu erkunden. Vereinbarter und mehrfach verkündeter Abfahrttermin war einundzwanzig Uhr. Und zwar pünktlich.

Um einundzwanzig Uhr sechsunddreißig waren die letzten eingetrudelt, eine glühweinselig singende gemischtgeschlechtliche Rasselbande. Die Lehrer zählten durch, und als das Ergebnis nicht stimmte, zählten sie ein zweites und drittes Mal durch. Aber immer war das Ergebnis entweder zu niedrig oder zu hoch, da ständig jemand den Platz wechselte, irgendwer gerade auf der bordeigenen Toilette saß oder für eine letzte Zigarette noch einmal kurz an die frische Luft musste. Der Fahrer maulte, man sei zu spät, und wenn er nach Mitternacht nach Hause komme, müsse er einen Aufschlag berechnen. Schließlich gaben die Lehrer das Signal zur Abfahrt, da alle Anwesenden lautstark versicherten, ihre Sitznachbarn vom Morgen seien anwesend. Erst unterwegs, auf halbem Weg nach Heidelberg fiel jemandem auf, dass Lea fehlte. Man versuchte, sie auf dem Handy anzurufen, welches jedoch nicht erreichbar war. Die Lehrer überlegten hin und her, was zu tun sei, und beschlossen schließlich, die Sache vorerst auf sich beruhen zu lassen und nach der Heimkehr Leas Eltern zu benachrichtigen. Schließlich war das Mädchen kein Kind mehr, würde in wenigen Wochen volljährig werden. Außerdem war man ein wenig erschöpft von dem turbulenten und überlangen Tag.

Was die Lehrer nicht wussten, nicht wissen konnten: Ungefähr zu dem Zeitpunkt, als der Bus voller inzwischen größtenteils schlafender Zehntklässler das romantische Heidelberg erreichte, wurde am Rand einer einsamen Landstraße etwa zwanzig Kilometer vom Straßburger Stadtzentrum entfernt eine unbekleidete weibliche Leiche gefunden.

Zum Zeitpunkt ihres Verschwindens war Lea Lassalle siebzehn Jahre elf Monate und drei Tage alt. Sie war ein hübsches, schlankes Mädchen mit sehr eigenwilligem Charakter. Und hätte ich geahnt, wie sehr ihr Schicksal in den folgenden Wochen mein Leben durcheinander würfeln würde, so hätte ich schleunigst Urlaub beantragt und den nächsten Zug in Richtung Süden bestiegen.

Wie so oft, fing alles ganz harmlos an ...

die-falsche-frauDie Heidelberger Polizeidirektion gleicht einem aufgescheuchten Hühnerhaufen: Im Vorfeld einer internationalen Wirtschaftstagung verdichten sich die Hinweise auf einen bevorstehenden Terroranschlag, und Kripochef Alexander Gerlach versucht fieberhaft, den Tätern zuvorzukommen. Als eine Zielfahnderin vom BKA eintrifft, die auf eine untergetauchte Terroristin angesetzt ist, soll sich die neue Kollegin das Büro ausgerechnet mit Gerlach teilen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kommt man sich näher, und während in der Bevölkerung der Unmut wächst und sich Gerlachs halbwüchsige Töchter mit den radikalen Globalisierungsgegnern solidarisieren, meint seine Geliebte Theresa plötzlich, ernsthaft Grund zur Eifersucht zu haben ...

 

Buchinformation

  • Erschienen im April 2012
  • Piper Verlag, München
  • 352 Seiten / Taschenbuch
  • 9,99 Euro
  • ISBN 978-3492272582


Was die Presse sagt

Kurier

Wer neugierig ist, warum der Karlsruher Wissenschaftler Wolfgang Burger einer der erfolgreichsten Krimi-Autoren Deutschlands ist, der weiß das spätestens nach "Die falsche Frau". Er strickt seine Plots mit sehr feinen Nadeln und ist immer für eine Überraschung gut ... Der Titel ist mehr als zweideutig.

 

Leseprobe (Romananfang)

Unser deutsches Strafrecht definiert Mord als »Tötung eines Menschen aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken.«

Keines dieser Motive trifft auf mich zu. Viele sagen sogar, ich hätte aus einem der besten Motive gehandelt, nämlich um einem Menschen das Leben zu retten. Das ist aber nicht wahr. Als ich abdrückte, war es bereits zu spät. Da gab es schon nichts mehr zu retten. Ich habe einen Menschen getötet. Sinnlos. Ohne jeden vernünftigen Grund. Wie ich es auch drehe und wende - mein Gewissen nennt es Mord ...

Fast 200 Seiten später:

Jetzt sah auch ich den Mann auf dem Dach. Er krabbelte gerade unbeholfen aus einer Luke, schien sich vor der Höhe zu fürchten, stakste und stolperte über die Ziegel, Balke brüllte etwas in sein Funkgerät, ein schwarzer Helm erschien in der Luke. Ich hörte den Kollegen rufen, der Fliehende – jetzt erst entdeckte ich, dass er einen Rucksack über der Schulter trug - zögerte kurz, wurde dann schneller, die Schritte jetzt noch unsicherer als zuvor. Der Kollege rief ihn ein zweites Mal an, gab einen Warnschuss ab.

»Das ist er!«, keuchte Balke. »Das ist das Arschloch!«

Der Kollege an der Luke schoss ein zweites Mal in die Luft. Das Ergebnis war lediglich, dass der Flüchtende sich duckte, endlich die Brandmauer zum Nachbarhaus erreichte, dort einen guten Meter Höhenunterschied zu überwinden hatte, was ihm wegen des Rucksacks nicht im ersten Anlauf gelang. Als er endlich oben war und sich wieder aufrichtete, bemerkte er, dass er erwartet wurde. Selbstverständlich hatte ich auch die Dächer der angrenzenden Häuser sichern lassen.

Der Mann mit dem Rucksack verharrte, sah verstört zurück, wieder nach vorn, machte einen stolpernden Schritt zur Seite und glitt aus. Er plumpste unsanft auf den Hintern und begann zu rutschen. Ziegel rutschten mit, rasch wurde er schneller, ließ den Rucksack fahren, versuchte verzweifelt, sich irgendwo festzukrallen, wo es nichts zum Festkrallen gab. Ein erst wütender, dann schon verzweifelter Schrei. Ein Schrei, der jedem, der ihn hören musste, in den Ohren und in der Seele schmerzte. Ein Schneefanggitter am Rand des Abgrunds bildete die letzte Hoffnung, den letzten Widerstand vor dem Sturz, war jedoch über die Jahre zu verrostet, flog zur Seite, ohne dem abwärts schlitternden Körper nennenswerten Halt zu bieten.

Zwei, drei gellende Sekunden später schlug der Körper mit einem dumpfen Laut auf dem Gehweg auf, und es war wieder still.

eiskaltes-schweigenFröstelnd steht Kriminalrat Alexander Gerlach vor der Leiche von Anita Bovary. Die Frau, die erstochen in ihrer kleinen Wohnung aufgefunden wurde, lebte isoliert, hatte weder Freunde noch Bekannte. Im Umfeld der Toten stößt er auf mehr und mehr Ungereimtheiten, nichts ist, wie es scheint, jede Spur führt in eine Sackgasse. Erst als eine zweite Leiche gefunden wird, fügen sich die Indizien zum alarmierenden Bild. Gerlach beginnt zu fürchten, dass es noch mehr Opfer geben könnte. Es kommt jedoch noch sehr viel schlimmer, als er sich ausmalen kann, denn er hat ein wichtiges Detail übersehen …

 

Buchinformation

  • Erschienen im Juni 2010
  • 7. Auflage November 2015
  • Piper Verlag, München
  • 9,99 Euro
  • ISBN 9783492254731

  • 304 Seiten / Taschenbuch


Was die Presse sagt

Der Kurier

Burger schreibt glasklare Plots, bleibt realitätsnah und vor allem ganz nah am Personal ... Ein klassischer, detailfreudiger Burger mit sehr viel Witz und Grips.

Darmstädter Echo / Odenwälder Echo

"Eiskaltes Schweigen" ist ... ein fein geschliffener, spannender und unterhaltsamer Roman ... Burger zeichnet seine Figuren transparent, ohne ihnen ihr letztes Geheimnis zu rauben ... Das beeindruckt und wirkt stets authentisch.

Klappe auf

Zu den spezifischen Qualitäten des Karlsruher Autors, dessen Krimis mittlerweile bundesweit Beachtung finden, zählen die pointierte Menschenschilderungen, der genaue Blick für die unterschiedlichen Milieus, in denen sich die handelnden Figuren bewegen, für die kleinen Begebenheiten am Rande ...

Cellesche Zeitung

Ein solider Krimi, der mit bewährten Mitteln arbeitet, deswegen aber nicht weniger überzeugt. Zumal es noch einen finalen Kunstgriff gibt, mit dem der Autor in "Eiskaltes Schweigen" dem Fall mehr Tiefe verleiht.

Rhein-Neckar-Zeitung

Auf den nun folgenden 100 Seiten gewinnt der Krimi so an Tempo und Spannung, dass es einem selbst an heißen Sommertagen kalt über den Rücken läuft.

 

Leseprobe

 Die letzten Meter zu meinem Peugeot rannte ich, weil der Regen mit jeder Sekunde weiter zunahm. In der Eile bekam ich den Schlüssel nicht gleich ins Schloss. In der Nähe klappte eine Autotür, endlich passte der Schlüssel, das Schloss klickte, ein mächtiger Stoß traf mich im Rücken und warf mich gegen den Wagen. Im nächsten Moment hatte ich einen kräftigen Männerarm um den Hals und wurde vom Gewicht seines Besitzers gegen die Fahrertür gepresst.

»Was …«, presste ich heraus. »Was soll das?«

Ich erwartete, dass der Verrückte hinter mir mein Portemonnaie oder meine Brieftasche verlangen würde. Oder die Wagenschlüssel. Aber wer stielt schon ein sechzehn Jahre altes Auto, das noch nicht einmal elektrische Fensterheber hat?

»Ich war’s nicht, hörst du?« fauchte er mir stattdessen mit heißem Atem ins Ohr. »Ich bin’s nicht gewesen, du Arschloch!«

»Was sind Sie nicht gewesen?«, quetschte ich heraus.

Allmählich wurde mir die Luft knapp. Ich wand mich, versuchte, mich zu befreien, aber er war stärker als ich und eindeutig in der besseren Position.

»Das weißt du ganz genau, Arschloch! Du hetzt mir die Bullen auf den Hals, weil du denkst, ich hätt die Anita umgebracht!«

Es war nicht mein Verstand, der schließlich reagierte. Es waren tausendfach trainierte Reflexe, die völlig automatisch abliefen. Ich trat ihm hart auf den Fuß, im nächsten Augenblick bekam ich wieder Luft, und eine Sekunde später lag Armin Kettenbach ächzend und zusammengekrümmt in einer Pfütze. Ich öffnete die Wagentür, innen ging Licht an, und nun konnte ich ihn endlich sehen. Mir zu Füßen wand sich ein etwas zu kurz und zu breit geratener Mann und hielt sich den Bauch. Er steckte in einem blassblauen Jeans-Anzug und trug unglaublich schmutzige Puma-Sportschuhe.

»Stehen Sie auf«, herrschte ich ihn an.

Er gehorchte, aber es war eine ziemliche Prozedur, bis er wieder auf seinen im Moment etwas wackligen Beinen stand. Immer noch stöhnend hielt er sich den Magen, wo ihn vor wenigen Sekunden mein Knie getroffen hatte. Ich war überrascht von meiner eigenen Reaktion. Mitleid verspürte ich nicht.

»Kommen Sie«, sagte ich, »steigen Sie ein. Nein, warten Sie …«

Ich wollte keinen vor Nässe triefenden und sich womöglich erbrechenden Kerl im Auto sitzen haben. »Gehen wir da rüber zur Bushaltestelle.«

Ich ging voran, Kettenbach folgte mir hinkend und jammernd. Sekunden später saßen wir in trübem Licht nebeneinander auf einer Holzbank unter einem Dach, auf das wütend der Regen prasselte.

»Sie sind doch dieser Gerlach?«, fragte Kettenbach kläglich »Sie sind doch dieser Kriminaldings Gerlach?«

»Allerdings, ich bin der Kriminaldings. Und Sie haben sich gerade in eine ziemlich unangenehme Situation gebracht.«

»Es hat verdammt lang gebraucht, bis ich Sie gefunden hab!«

»Warum sind Sie nicht einfach in mein Büro gekommen? Wir hätten in Ruhe miteinander reden können und uns nicht im Regen prügeln wie Halbstarke.«

»Ich …« Kettenbach verzog das Gesicht. Mein Tritt war wohl ziemlich hart gewesen. Hoffentlich hatte ich ihn nicht ernstlich verletzt. »… nicht getraut.«

»Aber mir an den Hals zu gehen, das haben Sie sich schon getraut.«

»Das war verrückt von mir. Entschuldigung.«

»Machen Sie keine Witze!«

»Ich hab so lang gewartet und gegrübelt und gewartet. Ich bin total ausgetickt, tut mir echt leid, Mann!«

»Was wollen Sie denn eigentlich von mir?«

»Ihnen sagen, dass ich die Anita nicht umgebracht hab. Das ist es doch, was Sie denken: Dass ich sie umgebracht hab.«

»Sie hatten ein prima Motiv. Sie hatten die Gelegenheit. In der Tatnacht waren Sie nämlich nicht an Ihrem Arbeitsplatz, wie Sie mir erzählt haben. Sie haben Frau Bialas in den Wochen vor der Tat ungefähr tausendmal angerufen.«

»Ich bin’s aber nicht gewesen. Ich war in Genf, in der Nacht.«

Kettenbachs roch nach einem teuren After-Shave, das nicht zu seinem billigen Jeans-Anzug passte. Eine Weile schwiegen wir.

»Ist schon ein Elend mit den Frauen«, murmelte er schließlich. »Man kann nicht mit ihnen leben, man kann nicht ohne sie leben.«

Ich nickte unwillkürlich.

»Sie kennen sich damit aus?«

Mein Nicken war ihm nicht entgangen.

»Welcher Mann tut das nicht?«, seufzte ich.

»Schwule«, erwiderte er ernsthaft.

»Die haben vermutlich ähnliche Probleme. Nun sagen Sie schon, wo waren Sie in der Nacht?«

»Im Bett«, seufzte er. »Bei einer Nutte. Bei einer kleinen, dreckigen Nutte bin ich gewesen und hab’s mir ordentlich besorgen lassen. Und wenn Sie es unbedingt wissen wollen: Das mach ich öfter, seit die Anita … nichts mehr von mir … wissen will.«

»Sie können Sie nicht vergessen?«

»Ich denk nichts Anderes, von morgens bis abends, als Anita, Anita, Anita. Hab gedacht, wenn ich weit weg bin, dann wird’s besser. Wird’s aber nicht, es wird nicht besser. Und jetzt ist sie tot. Ich bin fast verrückt geworden, die letzten Tage. Hab’s einfach nicht mehr ausgehalten in dem blöden Genf. Ich musst wenigstens noch mal das Haus sehen, wo sie gewohnt hat, irgendwas, verstehen Sie? Wo ich mit ihr zusammen gewohnt hab, irgendwas musst ich noch mal sehen. Ich weiß, es ist bescheuert, aber ich konnt einfach nicht anders. Hab seit drei Tagen nicht mehr geschlafen. Seit ich weiß, dass sie tot ist, hab ich nicht mehr geschlafen.«

Ich schwieg. Was sollte ich sagen?

echo-einer-nachtSeit Wochen ist der kleine Gundram Sander wie vom Erdboden verschluckt. Kein Wunder, dass der Heidelberger Kriminalrat Gerlach unter enormem Druck steht - die verzweifelten Eltern und die Medien erwarten endlich Erfolge, und auch die Staatsanwaltschaft wird immer nervöser. Da passt es ihm ganz und gar nicht, dass seine Töchter ihm von einem weiteren möglichen Entführungsfall erzählen: In der Nachbarschaft einer Freundin soll ein kleiner Junge verschwunden sein. Leider deutet jedoch immer mehr darauf hin, dass Gerlach es mit einem Serientäter zu tun hat. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt ...

 

Buchinformation

  • Erschienen im Mai 2009
  • 6. Auflage November 2015
  • Piper Verlag, München
  • 288 Seiten / Taschenbuch
  • 9,99 Euro
  • ISBN 9783492252409


Was die Presse sagt

Badische Neueste Nachrichten

Dieser Fall treibt Gerlach und seine Kollegen zur Verzweiflung. Dem Leser beschert er gewohnt gut gemachte und spannende Unterhaltung.

Klappe auf

Burger gelingt diesmal der Spagat zwischen der todernsten Ermittungsarbeit und dem etwas chaotisch-heiteren Privatleben seines Helden und Ich-Erzählers mit traumwandlerischer Sicherheit. Wieder zeichnet er mit ein paar kräftigen Strichen diverse Charakter und ihre Milieus so glaubhaft, dass man sie vor sich zu sehen glaubt. Aus dem gegenwärtigen Regionalkrimi-Überangebot sticht der neue Burger heraus wie ein weißer Rabe.

 

Leseprobe

 Balke nahm Anlauf, um die Tür einzurennen, aber ich hielt ihn zurück und zog mein Handy aus der Jacketttasche.

»Warten wir lieber auf den Schlüsseldienst.«

Ich suchte die richtige Nummer in meinem Handy, und Balke verschwand um eine Hausecke. Während ich telefonierte, entdeckte ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Schatten eines Baumes den Mann in der olivgrünen Armeejacke, den ich vor einiger Zeit schon einmal dort gesehen hatte. Wieder versuchte er so zu tun, als wäre er unsichtbar. Balke stand plötzlich wieder neben mir.

»In der Küche steht das Fenster offen!«

Ich bestellte den Schlüsseldienst wieder ab.

Das Fenster stand nicht wirklich offen, es war lediglich gekippt. Balke schaffte es jedoch, es mit einigen kräftigen Griffen aus den Scharnieren zu wuchten, wobei es zerbrach. Ohne auf die Scherben zu achten, stemmte er sich hoch und war im nächsten Augenblick drin. Bei mir dauerte es etwas länger. Beim Hineinklettern ging noch einiges an Geschirr kaputt, und am Ende blutete meine Hand. Die rechte, diesmal.

Der alte Mann stand, am ganzen Leib vor Kälte und Aufregung schlotternd, in einem viel zu dünnen, blau-gelb oben ist irgendein Polohemd schon weiß-gelb gestreift gestreiften Schlafanzug in der Halle. Als Waffe hielt er einen alten Stockschirm in beiden Händen. Es roch, als hätte seine Windel versagt.

»Helfen Sie mir!«, flüsterte er mit starrem Blick auf die Tür. »Da sind Einbrecher!«

Erst als ich ihm vorsichtig seine Waffe entwand, wurde ihm bewusst, dass er nicht mehr allein war.

»Wo ist sie?«, fragte ich so ruhig, wie es meine Stimme nach der Kraxelei erlaubte. »Wo ist Ihre Tochter?«

Auf einmal so ängstlich wie ein unartiges Kind schielte er mir von unten her ins Gesicht. »Das Luder macht mir kein Frühstück!«, flüsterte er und wies irgendwohin. »Und sie hat mich heute Morgen nicht gewaschen!«

Balke lief inzwischen durchs Haus und drückte jede Klinke. Die Tür zum Badezimmer im Obergeschoss war abgeschlossen. Er wartete mit dem Klopfen, bis ich bei ihm war. Niemand reagierte.

Dieses Mal hielt ich ihn nicht zurück, als er Anlauf nahm.

Muriel Jörgensen lag komplett angekleidet in einem Meer von Blut. Das Wasser in der Badewanne war bereits eiskalt, aber wider Erwarten lebte sie noch.

schwarzes-fieberEine bewusstlose Frau mit starken Kopfverletzungen, die in der Nähe von Heidelberg gefunden wird, gibt der Polizei Rätsel auf: Wer ist sie? Und weshalb wird sie von niemandem vermisst? Als sie aufwacht, stellt sich heraus, dass sie nicht sprechen kann. Kripochef Alexander Gerlach übt sich in Geduld, doch dann kommt es zu weiteren Mordanschlägen auf die Fremde. Erst als die Leiche eines Mannes aus Angola auftaucht, fängt Gerlach an, die wahren Zusammenhänge zu erahnen, und ein gefährlicher Wettlauf mit der Zeit beginnt ...

 

Buchinformation

  • Erschienen im April 2008
  • 11. Auflage 2014
  • Piper Verlag, München
  • 288 Seiten / Taschenbuch
  • 9,99 Euro
  • ISBN 9783492251198



Was die Presse sagt

Krimi-Forum.de

.. Packend ist der Roman, in einem Rutsch möchte man ihn weglesen - oder doch schnell zu den letzten Seiten blättern, um zu sehen, wer denn nun ... und unter welchen Umständen - aber dann doch lieber nicht - zu schade wäre es, beraubte man sich selbst der steigenden Spannung. Dann ist alles aus, vieles gesagt, anderes nur gedacht, zwischen den Zeilen gespürt. Und man freut sich aufrichtig, einen weiteren Roman von einem Autor gelesen zu haben, dem es gelingt, einen sympathischen Serienhelden trotz aller Vertrautheit immer wieder neu zu erfinden.

Badische Neueste Nachrichten

... Spannung erzeugt der Roman nicht mit bluttriefenden Action-Szenen (obwohl es gegen Ende ziemlich dicke kommt), sondern vor allem mit der aufwendigen Konstruktion, wechselnden Schauplätzen, Nebenhandlungen, falschen Fährten und gefälschten Identitäten ... Burger bevölkert das Buch mit glaubwürdigen Charakteren, seine liebenwerte Hauptfigur wurstelt sich durch den Alltag wie du und ich, und seine Dialoge klingen oft, wie in einem beliebigen Büro mitgeschnitten ...

Bad-Bad.de

... Trotz der gekonnten und geschätzten Sprachfertigkeit des Autors mag sich bei manchen Ratlosigkeit einstellen und die Frage, warum Gerlach und seine Spezialisten mit derartigen Ausnahmesituationen konfrontiert werden mussten, während es Sönnchen nach deren Rückkehr vorbehalten bleibt, so ganz nebenbei eine mysteriöse Einbruchsserie im Odenwald aufzuklären. Zu hoffen bleibt, dass Alexander Gerlach sein Angola-Sardinien-Trauma bald überwindet und künftig keinen Fall mehr derart nah an sich herankommen lässt. Es wäre nämlich schade, wenn der liebenswerte Kriminalrat krankheitsbedingt seinen Dienst quittieren müsste. Link zum Artikel

 

Leseprobe

Zu Fuß konnte ich mich besser im Schatten der Häuser halten als auf dem Rad. Dennoch war ich schon nass geschwitzt, als ich den hundert Meter von meinem Büro entfernten Römerkreis erreichte. Die riesige, sonst stark befahrene Kreuzung lag heute nahezu verlassen. Ein fast leerer Linienbus brummte vorbei, während ich auf Grün wartete, ein himmelblauer Lieferwagen mit röhrendem Auspuff, ein alter VW-Käfer, dessen Fahrer wirkte, als würde ihn nur die ohrenbetäubende Musik am Leben halten, die durch seine offenen Fenster krachte. "Stairway to heaven" von Led Zeppelin, registrierte ich automatisch. Der Asphalt war weich und klebrig. Irgendwo zirpte eine einsame Grille. Endlich wurde die blöde Fußgängerampel grün.

Die Dame an der Rezeption des Krankenhauses war eingenickt. Alles in dem alten, aber bestens gepflegten Gebäude schien zu schlafen. Mehr und mehr verstand ich, warum im Süden die Uhren anders tickten als bei uns. Dass es bei diesen Temperaturen Stunden gab, wo jeder Versuch, etwas Sinnvolles zu tun, scheitern musste. Ohne eine Menschenseele zu treffen, stieg ich die Treppen hinauf, kam am heiligen Josef vorbei, der auf halber Treppe von einem Podest an der Wand gütig auf mich herabblickte. Zweites OG, Chirurgie links.

Der lange Flur war bis auf einen Zivildienstleistenden menschenleer. Der hockte Flüche vor sich hinmurmelnd am Boden und versuchte, etwas an einem sperrigen Chrom-Gestell zu reparieren.

"Sie sind von der Polizei, nicht?", fragte er, als ich an ihm vorbeiwollte. "Hab Sie letzte Woche schon hier gesehen."

Er erhob sich und reichte mir freudestrahlend die Hand. Der junge Mann hatte die Statur von Sylvester Stallone und dabei eine Stimme wie ein Chorknabe zwei Monate vor dem Beginn des Stimmbruchs.

"Ich will zu Mrs. Miller", sagte ich. "Wie geht's ihr heute?"

"Jeden Tag bisschen besser. Heut hat sie sogar Besuch."

"Besuch?"

"Ein Mann hat vorhin nach ihr gefragt. Ist noch keine Minute her. Ihr Bruder. Ist extra hergeflogen, um sie zu besuchen. Das wird sie freuen. Sonst kommt ja niemand. Außer Ihnen natürlich."

Sie hatte einen Bruder! Endlich jemand, der sie kannte, der mir etwas über sie erzählen konnte!

Der Zivi wandte sich wieder seinem verhassten Gestell zu. Das Zimmer, zu dem ich wollte, lag ganz am Ende des Flurs. Von irgendwo dudelte leise Country-Musik.

Auf dem Namensschild neben der Tür stand heute nur noch ein Name. Das Nilpferd war entweder entlassen worden oder hatte sich zu Tode geschnarcht. Als das Schloss nahezu lautlos aufschnappte, fragte ich mich, wie der Bruder die Schwester wohl gefunden haben mochte, wo doch gar niemand wusste ...

Als die Tür mit einem leise seufzenden Geräusch aufschwang, war mir klar, dass der Mann, von dem ich im Moment nur den Rücken sah, unmöglich Frau de Santos' Bruder sein konnte. Er beugte sich gerade über sie. Wurden da Begrüßungszärtlichkeiten ausgetauscht? Umarmungen? Wangenküsse? Aber warum strampelte sie dann so unter der Bettdecke?

Der Mann fuhr herum. Dunkle Haare, verschwitztes, schmales Gesicht, drahtige Statur, gehetzter Blick. Er trug einen leichten, hellen Trenchcoat, und nun war mir klar, dass er weder einen Krankenbesuch machte noch mit der Patientin verwandt war ...